FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - FamilienLeben
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - FamilienLeben
  Startseite
Kontakt

FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - FamilienLeben
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Das Projekt
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Das Projekt
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Veranstaltungskalender
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Veranstaltungskalender
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Service
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Service
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Bildergalerie
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Bildergalerie
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Generationen gemeinsam
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Generationen gemeinsam
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Musik
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Musik
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Kurse und Seminare
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Kurse und Seminare
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Freizeiten
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Freizeiten
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Gruppenstunden
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Gruppenstunden
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Fachtage
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Fachtage
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Vorträge
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Vorträge
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - KiTa und KiGo
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - KiTa und KiGo
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Älter werden - älter sein
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Älter werden - älter sein
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Gottesdienst
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Gottesdienst
  FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Sonstiges
FamilienLeben | Generationen – gemeinsam - Sonstiges
Stiftung Famillie Leben
Erziehungsberatungsstelle Herborn
 

Suchen:



FamilienLeben | Generationen – gemeinsam

01.10.2007

IMpulsreferat von Frau Dr. Brigitte Bertelmann

Zur inhatlichen Einführung in die Podiumsdiskussion "Lasset die Kinder zu mir kommen - Kinder in unserer Gesellschaft" hielt die Ökonomin Dr. Brigitte Bertelmann vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN ein Impulsreferat, das Sie hier abrufen können.

Impulsreferat zur Podiumsveranstaltung „KinderLeben in unserer
Gesellschaft“ am 29. 09. 2007 in Biedenkopf

„Lasset die Kinder zu mir kommen…“

Unter dieses Bibelwort haben Sie die Veranstaltung gestellt, die das Themenjahr „FamilienLeben“ abrunden soll. Ich sage bewusst nicht abschließen, denn das ist ja ganz sicher in diesem Jahr erreicht worden, dass es in der Region eine verstärkte Aufmerksamkeit für das Thema Kinder und Familie gibt und ein gewachsenes Bewusstsein dafür, dass dies ein weiterhin wichtiges Thema und ein Arbeitsschwerpunkt der evangelischen Kirche in Kooperation mit vielen gesellschaftlichen Partnerinnen bleiben muss.

Sie haben mir gut zehn Minuten eingeräumt, um die Situation von Kindern in Deutschland darzustellen und einige Impulse für das Podiumsgespräch zu geben. Ich bedanke mich für diese herausfordernde Aufgabe und weil sie notwendigerweise Mut zur Lücke erfordert, wer-de ich mich auf vier Thesen beschränken, die ich ganz kurz erläutern will.

„Lasset die Kinder zu mir kommen“ ist eine Einladung und drückt aus, dass Kinder erwünscht und willkommen sind. Im Text davor steht aber bei Matthäus auch: „…aber die Jünger wie-sen die ab, die sie trugen“. Offenbar also eine uralte Erfahrung, dass Eltern und Kinder nicht überall willkommen sind und eben nicht selbstverständlich dazu gehören, sondern oft eher stören.

„Könnten Kinder sich ihr Geburtsland aussuchen,…Deutschland wäre vermutlich nicht die erste Wahl“. Das schrieb die Buchautorin und Sozialwissenschaftlerin Susanne Mayer in der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Seit einigen Jahren soll sich das in Deutschland grundlegend ändern. Kinder- und Familien-freundlichkeit haben sozusagen Karriere gemacht. Sie sind in Politik, Medien und Wirtschaft vom Sozialgedöns zum harten Standortfaktor geworden. Und das nicht nur zur Wahlkampf-zeit.

Mit der Frage nach dem Grund dieses Sinneswandels komme ich zu meiner 1. These:

Die öffentliche Aufwertung von Kindern und Familien ist verbunden mit einer sehr deutlichen Ökonomisierung in der Argumentation und den politischen Maßnahmen.

Kinder und Eltern erhalten die lange vermisste Aufmerksamkeit und Wertschätzung erst, seit dem nicht mehr zu leugnen ist, dass unsere sozialen Sicherungssysteme gefährdet sind und auch die Unternehmen sich zunehmend darüber Gedanken machen, wie sie für qualifizierte Mitarbeitende, die auch Eltern werden oder sein wollen attraktiv bleiben. Wir vermitteln da-mit, dass wir Kinder in erster Linie nicht um ihrer selbst willen sondern als zukünftige Steuer- und Beitragszahler, als Arbeits- und Pflegekräfte wollen und brauchen. In einer solchen Kul-tur darf man sich nicht wundern, dass auch potenzielle Eltern oder Eltern, die bereits ein Kind haben, rechnen und diese Kosten in ihre Entscheidung einbeziehen.

Das Leben mit Kindern beschneidet das persönlich verfügbare Einkommen erheblich. Bei einem Paar mit zwei Kindern auf 65% dessen was ein entsprechendes kinderloses Paar zur Verfügung hat. Die Ausgaben, die Eltern für ein Kind bis zur Volljährigkeit zu tragen haben, wurden für 2006 auf ca. 124.000 € beziffert. In dieser Zahl sind die Einkommenseinbußen der Eltern, die über längere Zeit ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder reduzieren und die damit verbundenen niedrigeren Rentenansprüche nicht enthalten. Auch die Kosten für voll-jährige Kinder, die mit achtzehn finanziell noch nicht auf eigenen Beinen stehen sondern noch in Ausbildung und Studium sind und während dieser Zeit die Eltern weiter Geld kosten, sind nicht erfasst.

Und so wie in der Gesellschaft insgesamt die Lücke zwischen Reichen und Armen immer größer wird, spiegelt sich das auch bei den Kindern. Einerseits hatten Kinder und Jugendli-che noch nie so viel Geld zur Verfügung wie heute – andererseits steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in Armut leben oder von Armut bedroht sind seit 15 Jahren kontinuier-lich an und hat mit ca. 2 Mill. in Deutschland einen neuen Rekordwert erreicht.

Die 2. These lautet also:
Unsere Gesellschaft ist arm an Kindern, aber auch Kinder sind zu einem immer größe-ren Prozentsatz arm bzw. von Armut bedroht.

Natürlich sind Kinder nicht alleine arm. Sie sind es weil ihre Eltern arm und in sehr unter-schiedlicher Weise in der Lage sind, mit der Armutssituation umzugehen. Aus der Sicht der Kinder bleibt das Dilemma weitgehend ungelöst, dass Geldleistungen zunächst an die Eltern ausgezahlt werden müssen und nicht in allen Fällen in vollem Umfang zum Wohl der Kinder eingesetzt werden. Gleichzeitig höchst problematisch ist aber auch die Tatsache, dass Ein-kommen, das den Kindern zugerechnet wird (wie z.B. Kindergeld oder Ausbildungsvergütun-gen) bei einer Erhöhung voll oder doch teilweise auf das Einkommen der Eltern z.B. auf Hartz IV Leistungen angerechnet wird. Auch dann, wenn Eltern sich nach Kräften bemühen, die Situation für die Kinder so erträglich wie möglich zu gestalten, fühlen sie sich damit oft überfordert und alleingelassen. Dass in den letzten Jahren gerade bei Hilfs- und Beratungs-angeboten im Bereich der Erziehungs- und Schuldnerberatung sowie der Familienbildung die Landesmittel erheblich gekürzt wurden, ist aus meiner Sicht nicht ein Signal von Familien-freundlichkeit.

Selbstverständlich geht es bei der Entscheidung für Kinder keineswegs nur um’s Geld. Min-destens ebenso wichtig ist für junge Erwachsene die Frage, wie sich ein Leben mit Kindern vereinbaren lässt mit anderen Lebenszielen und Notwendigkeiten.

Neben tatsächlich bedarfsdeckenden Familieneinkommen brauchen wir immer noch deutlich verbesserte Angebote in der Kinderbetreuung, den Kindertagesstätten und Schulen. Dazu zählen zunächst Angebote wie ein ausgewogenes Mittagessen in den Schulen und Kitas. Dazu gehört aber auch eine materielle und personelle Ausstattung in diesen Einrichtungen, die an Qualitätskriterien ausgerichtet werden, wie sie z.B. in den skandinavischen Ländern mit vergleichbarem Wohlstandsniveau längst selbstverständlich sind. In deutlich kleineren Gruppen und Klassen können auch Kinder aus sog. bildungsfernen Haushalten individueller und wirksamer gefördert werden. Ich nenne nur drei Beispiele dafür, die m. E. in die richtige Richtung zeigen. Die Ev. Dekanate, die mit dieser Veranstaltung ihr Familienjahr abrunden, haben neben mehreren anderen in Hessen bereits mit der Entwicklung eines neuen Quali-tätsmanagements in den Kitas begonnen. Das 2005 begonnene Projekt „Schritt für Schritt – Opstapje“, der dezentralen Familienbildung in Langen, das Eltern mit Kindern in den ersten 1,5 Jahren berät und vom Hess. Sozialministerium unterstützt wird, verdient es, langfristig institutionalisiert und auf andere Regionen ausgeweitet zu werden. Die Erfahrung vieler Lo-kaler Bündnisse für Familien zeigt, dass es einen hohen Bedarf an modernen Familienzent-ren gibt. Dafür müssen zügig Konzepte entwickelt und umgesetzt werden.
An guten Modellen mangelt es nicht, und wenn wir es mit der Familien- und Kinderfreund-lichkeit ernst meinen, dann müssen sie auch etwas kosten dürfen und zwar nicht nur die El-tern.

3. These:
Das Interesse an einer ausreichend großen und gut ausgebildeten und sozialisierten nachwachsenden Generation ist ein gesamtgesellschaftliches (volkswirtschaftliches) Anliegen. Es mangelt bisher an einem sinnvollen familienpolitischen Gesamtkonzept in dem sich Infrastruktur- und Transferleistungen ergänzen und nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Und schließlich gehört, um das Bild abzurunden, neben einer ausreichenden materiellen Ausstattung ein besonderer Fokus auf die Zeitstrukturen für Familien dazu.
Erwachsene und Kinder, die in Familien zusammen leben sind z.T. mehreren ganz unter-schiedlichen von außen vorgegebenen Zeitstrukturen oder Taktgebern unterworfen. Betreu-ungseinrichtungen und Schulen, Arbeitgeber und Ladenöffnungszeiten, Behörden, Vereine, Kirchengemeinden und andere Gruppen konkurrieren um die Zeit der Familienmitglieder. Die Zeit für das Zusammensein in der Familie, die eigentliche Familienzeit, muss täglich neu er-kämpft werden. Im 7. Familienbericht ist von einer täglich neu zu erbringenden Herstellungs-leistung die Rede und von der rush-hour des Lebens, die von jungen Erwachsenen fordert, dass praktisch mehrere wichtige Phasen eines Lebens in einen sehr kurzen Zeitraum weni-ger Jahre zusammengedrängt werden. Der erfolgreiche Start in den Beruf und wichtige erste Karriereschritte, das Finden eines geeigneten Partners und die Gründung einer Familie, das Bekommen und Aufziehen möglichst mehrerer Kindern sowie die Vorsorge für das eigene Alter – das alles muss parallel und möglichst vor dem 50 Lebensjahr geleistet sein, denn danach sind wir ja „für fast alles zu alt“.

4. These also:
Kinderfreundliche Zeitstrukturen müssen es Eltern ermöglichen, flexibel im Interesse der Kinder und der Familie zu sein. Zeiten von Erwerbsarbeit und Betreuungsangebo-ten dürfen nicht überwiegend an den Bedürfnissen von Betrieben sondern mindestens gleichgewichtig an denen von Kindern und Eltern ausgerichtet sein. Dazu müssen auch neue Lebensarbeitszeitmodelle entwickelt und umgesetzt werden.

Der Nordrhein-Westfälische Familienminister Armin Laschet hat in einem Interview mit der FAZ gesagt.“ Kaum etwas wird bei uns so leidenschaftlich debattiert wie die Familienfrage. Der Atomstreit war dagegen harmlos.“ Dann dürfen wir uns jetzt wohl auch auf eine heiße Diskussion freuen. Ich bin gespannt und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


Dr. Brigitte Bertelmann
Referentin Ökonomie und Sozialpolitik
Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der
Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
Albert-Schweitzer-Str. 113-115
55128 Mainz

Tel.: 06131 287 44 44
Fax: 06131 287 44 11
mail: b.bertelmann@zgv.info
www.zgv.info





 
login FamilienLeben | Generationen – gemeinsam FamilienLeben | Generationen – gemeinsam
    © 06 | Werbeagentur GRAPHWORKS Mediendesign